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100 Jahre AWO - 100 Jahre Leben

Meine heutige Interviewpartnerin ist Frau Roitzheim. Mit derzeit noch zarten 99 feiert sie im August einen runden Geburtstag mit 2 Nullen.

Ich werde sehr herzlich in ihrem Zimmer empfangen und mir fallen gleich sehr viele Bilder von der Familie und Erinnerungen an der Wand auf. „Bilder sind sehr wichtig für mich“, gibt mir die rüstige Dame zu verstehen.

Auf die Frage ob sie denn jemals gedacht hat, 100 Jahre alt zu werden, bekomme ich folgende Antwort:“Ich habe mich schon immer gefreut auf die 100 - wichtig ist, dass der Kopf noch funktioniert“.

Als „Nippeser Mädche“ im schönen Köln geboren, lerne ich eine sehr sympathische und starke Frau kennen, die schon einige Schicksalsschläge in ihrem Leben gemeistert hat.

Mit 19 lernt sie ihre erste große Liebe kennen, die sie 1942 heiratet. 9 Monate danach wird das erste Kind – Ina - geboren. In den damaligen schweren Kriegszeiten war es nicht ungewöhnlich, dass Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung bzw. aus der Heimat evakuiert wurden. So kam es, dass Frau Roitzheim mit ihrer kleinen Tochter und zudem noch schwanger über Schlesien bis ins Sudetenland musste, wo dann die kleine Hannelore geboren wurde.  Als zum Ende des Krieges das Sudetenland schließlich Tschechien zugeschrieben wird, muss Käthe Roitzheim mit ihren zwei kleinen Mädchen erneut eine Vertreibung erleben. „Innerhalb 48 h mussten wir das Land verlassen.“ Das Baby Hannelore wurde noch gestillt - so lange, bis Käthe Roitzheim aufgrund des eigenen Hungers keine Milch mehr für das Kind hatte. Trotzdem schaffte sie es, beide Kinder lebend bis nach Köln zu bringen. Mit einem Treck hatte sie sich bis hierher durchgeschlagen.

In Köln angekommen, kommt das Baby Hannelore ins Krankenhaus, wo es trotz aller medizinischen Bemühungen am 8. August 1945 verstirbt. Ihrem 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Ehemann kann Käthe Roitzheim nur das kleine Grab auf dem Kölner Nordfriedhof zeigen. Er hat seine jüngere Tochter nie kennenlernen dürfen.

Trotz aller Schicksalsschläge nimmt das Ehepaar Roitzheim, wie so viele Menschen dieser Generation, ihr Leben in die Hand und beide bauen gemeinsam das Geschäft des Schneidereibedarfes am Lenauplatz wieder auf. Ein drittes Kind, diesmal ein Junge, wird geboren. Das jüngste Kind soll Werner heißen.

 

Jedes Jahr an Karneval kommen die Kunden zahlreich in den Laden um sich Stoffe für Kostüme zu besorgen.

„Sind sie denn ein richtiger Karnevals-Jeck?“ frage ich Frau Roitzheim. „Naja, ich habe mit meinem Mädel, meiner Tochter, jedes Jahr Sitzungen besucht und die Kostüme selbst geschneidert.“ Dass sie ihre Tochter Ina im Jahr 2000 verloren hat, ist immer noch sehr schwer für Frau Roitzheim. Das merkt man ihr an.

„Was war das tollste Kostüm, das sie sich geschneidert haben?“ - „Prinzessin“ bekomme ich als Antwort mit einen kleinen Seufzer und merke, wie sie in Erinnerungen schwelgt.

Seit nunmehr 4 Jahren ist sie im Seniorenzentrum der AWO in Ehrenfeld und sie fühlt sich sehr wohl und gut umsorgt. Auch beim Essen gebe es nichts zu meckern.

Frau Roitzheim wirkt nicht wie eine Dame die kurz vor der Hundert steht. Sehr weltoffen und humorvoll ist sie - hat viel erlebt im Leben und ist auch weiterhin aktiv im Seniorenzentrum unterwegs. Sie unterstützt den Beirat, geht regelmäßig zum Gedächtnistraining und nutzt jede Gelegenheit, um die tolle Gartenanlage mit „Puki 2“, wie sie liebevoll ihren Rollator nennt, zu genießen. „Puki 1 - ein Clown - sitzt im Sessel, den hat mir mein Enkel nach dem Tod meines Mannes vor 25 Jahren geschenkt, damit ich wieder lache“.

Besuch von Ihrem Sohn Werner und seiner Frau Gisela bekommt sie regelmäßig 2 mal in der Woche. Am Wochenende auch gerne mit Enkeln und/oder Urenkeln. Davon hat Frau Roitzheim mittlerweile 5 Stück und sie ist sichtlich stolz. Gerne erklärt sie ein paar Bilder an der Wand, z.B. das von der Einschulung eines Urenkels.

Trotz schwieriger Lebenssituationen hat Frau Roitzheim ihren Humor behalten, ist stolz auf ihre Familie und froh über die lange und glückliche Ehe, die sie führen durfte: „Dat gibbet heutzutage ja gar nicht mehr, heute läuft alles über Handy mit Bilder und so, da nimmt doch keiner mehr am realen Leben teil - dat is nix für mich -“, so Frau Roitzheim und bedankt sich für das Gespräch. Gleich kommt ihr Sohn zu Besuch, die Freude ist ihr anzumerken.

 

Das Gespräch führten Frau Adam und Frau Galler