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"Wenn ich tanze, bin ich frei"

'Wenn ich tanze, bin ich frei'

Felicitas Martin, angehende Tanzpädagogin für kreativen Tanz, führte bis Mitte Juni ein Projekt im Rahmen ihres Studiums durch. Der Teilnehmerkreis war eine Gruppe von 8 bis 10 Seniorinnen, die sich regelmäßig wöchentlich zu Gymnastik mit und ohne Musik trifft. Die älteste Teilnehmerin ist derzeit 95 Jahre alt und das Durchschnittsalter liegt bei 85 Jahren. Frau Martin hat eine Ausbildung in Tanztheater und tanzt leidenschaftlich Tango und 5 Rhythmen-Tänze. Ihr Erstberuf ist Diplom Betriebswirtin und Unternehmensberaterin.

  • Welche Schwerpunkte hatten Sie in Ihrem Projekt?  Mein Projekttitel heißt "Geschichten - Bewegen - Tanzen" Wir haben Geschichten gehört und daraus Sprachbilder in Bewegung umgesetzt, z.B. Sonnenstrahlen, duftende Rosen etc. Mit Rasseln und Klangstäben haben wir Rhythmen ausprobiert und gespielt. Das Spüren von Instrumenten in den Händen und das Erleben von Rhythmus ist, nehme ich an,  besonders wertvoll für Menschen mit Demenz. Der Rhythmus mit den Instrumenten ist ganzkörperlich fühlbar. Wir haben einfache Rhythmen und Taktschläge, wie Walzertakt oder ChaChaCha Rhythmus erarbeitet. Zum Tanzen habe ich ganz bewusst auf ein Tanzmusik- und Schlagerrepertoire aus der Zeit der Teilnehmerrinnen zurück gegriffen, also Musik aus den 30er, 40er, 50er und 60er Jahren. Durch den hohen Wiedererkennungswert war es für die Seniorinnen leicht mitzusingen und den Rhythmus wahrzunehmen und zu halten.  Jede Gruppenstunde wurde mit einer leichten Aufwärmübung begonnen und dem gemeinsam gesprochenen Gedicht " Wenn ich tanze, bin ich frei" beendet. Dieses  Ritual konnten auch Teilnehmerinnen mit Demenz nach einer Weile  abrufen. Mir war es wichtig, einen sicheren Rahmen zu schaffen, damit Mut zum Experimentieren aufkommen konnte. Impulse der Teilnehmerinnen wurden aufgegriffen und gemeinsam geübt und umgesetzt. So haben wir bspw. auch Übungen mit nur einem Bein gemacht, da eine Bewohnerin in der Gruppe war, die nur noch ein Bein hat. Solche Übungen können  die Achtsamkeit für sich selbst und untereinander stärken.     
  • Frau Martin, Sie haben mit den Senioren auch ohne Choreographien getanzt. Haben Sie Entwicklungen in der tänzerischen Ausdrucksform feststellen können?  Im Verlauf wurden die Tänzerinnen immer aufgeschlossener. Aber es war schon der starke Wunsch nach Imitation da - Improvisation eher seltener, wenn, dann ging das vor allem bei sehr fetziger oder sehr verträumter Musik.     
  • Was war Ihnen besonders wichtig bei den Teilnehmerinnen mit Demenz?  Besonders wichtig war, dass ich im direkten Kontakt mit den Teilnehmerinnen sein konnte. Daraufhin ist bei den einzelnen Teilnehmerinnen die Wachheit für Tanzen und Bewegung aufgeblüht. Also die Zuwendung, das nonverbale, tänzerische sich bewegende Kommunizieren. Ich habe mit Begeisterung gearbeitet und bemerkt, wie dies die Seniorinnen geradezu angesteckt hat.     
  • Was hat Ihnen besonders viel Freude gemacht?  Am meisten gefreut hat mich, dass die Teilnehmerinnen so mitgemacht haben. Eine wichtige Erfahrung war auch, der Stopp-Tanz beim Tango. Die Tänzerinnen haben mit der Musik gestoppt, die Energie gehalten und bei Beginn der Musik sofort wieder weitergemacht. Das hat mich unter anderem sehr begeistert.