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Schließlich haben wir unser Fräulein Treut sehr geliebt...

Eine Bewohnerin erzählte aus ihrer Schulzeit   

Anni Frambach,  85  Jahre, besuchte an einem Vormittag im März gemeinsam mit Gertrud Stratmann, einer Mitarbeiterin der Tagesgestaltung, die Klasse 3a der Grundschule Everhardtstraße in Köln-Ehrenfeld. Frau Frambach hatte anschließend sehr viel zu berichten. 

Frau Frambach, wie wurden sie in der Schule empfangen?

Treffpunkt war das Klassenzimmer, die Lehrerin begrüßte mich und dann stellte ich mich kurz vor. Ich saß ganz aufrecht in meinem Rollstuhl und die Kinder saßen rundum im Klassenzimmer verteilt. Die Kinder waren sicher auch aufgeregt, wenn da so eine Oma zum Erzählen kommt. Jedes Kind hatte einen großen Zettel mit einer Frage in der Hand. Zuerst bekam ich ein Foto von der Klasse geschenkt. Ich hatte den Kindern auch ein altes Klassenfoto von mir mitgebracht. Sie haben ganz interessiert geguckt, die Kinder auf dem Bild gezählt, mich  aber natürlich nicht erkannt. Sie stellten fest, dass alle Schüler so brav aussehen würden. Ich glaube wir waren das auch, schließlich haben wir unser Fräulein Treut sehr geliebt.  

Welche Fragen haben die Kinder gestellt?

Sie wollten z.B. wissen, ob ich auch einen Schulranzen hatte, wie früher die Tafel aussah oder ob es auch Schläge gab. Thema des Vormittages war ja "Schule früher". Meine Schulzeit war  in der Kriegszeit, aber ich habe keine Schauergeschichten erzählt, doch an der ein oder anderen Stelle habe ich schon mal etwas erwähnt. Ich habe viele lustige Dinge berichtet. Vom Handarbeitsunterricht zum Beispiel. Den habe ich nämlich gar nicht gerne gemocht. Ich habe den Kindern erzählt, dass meine Mutter manchmal sozusagen heimlich für mich an den Handarbeitsstücken gestrickt hat. 

Haben die Kinder auch andere Themen angesprochen?

Ja, sie fragten mich, ob ich im Krieg auch Tote gesehen hätte. Die Lehrerin bat aber darum, dass wir beim Thema bleiben sollten und wollte das Thema Krieg in einer anderen Stunde besprechen. Aber auch womit ich als Kind gespielt habe, fragten die Schülerinnen und Schüler. Da fielen mir beispielsweise Dilldopp, Seilchen, Nachlaufen, Verstecken und Fadenspiele ein. Letzteres haben wir in der vergangenen Woche hier im Theo-Burauen-Haus noch mal kurz ausprobiert. 

Was hat Ihnen an diesem Morgen die größte Freude bereitet?

Ich war erstaunt über die vielen Fragen. Wie viel in so kleinen Köpfen schon vorgehen kann.  Die Kinder haben sich alle persönlich von mir verabschiedet.  Eine Woche nach dem Besuch habe ich Post von der Schulklasse bekommen. Jedes Kind hatte mir ein Bild gemalt und einen kurzen Brief dazu geschrieben. Sie haben z.B. gefragt, wie es meinem Sohn gehen würde, ob ich noch einmal kommen werde und brachten zum Ausdruck, dass ihnen die Stunde mit mir so gut gefallen hätte. Über diese Post freue ich mich riesig.

Sie erzählen so begeistert von diesem Schulbesuch....

Ja, so einen Tag in der Schule würde ich gerne öfter verbringen. ich glaube, dass mir das liegt- das Erzählen von früher und das Zusammensein mit Kindern war mir schon immer eine Freude. 

Vielleicht ergibt sich bald wieder eine so gute Gelegenheit für Sie. Danke für das nette Gespräch, Frau Frambach.